BeReal – Echtheit statt Filter

Der Vorwurf, dass Social Media ‚fake‘ sei, steht nicht erst seit dem Aufkommen gesichtsverändernder Filter im Raum. Größer, schneller, weiter – viele erleben einen starken Druck durch soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co. Die Trend-App BeReal möchte dieser Entwicklung entgegenwirken.

 

Wie der Name vermuten lässt, sollen hier Authentizität und Unverfälschtheit im Vordergrund stehen. Und der Erfolg gibt den Macher:innen Recht: Die App konnte seit Launch im Dezember 2019 ganze 43,3 Millionen Downloads erzielen. Seit Beginn des Jahres sind die aktiven Nutzer:innen um satte 315 Prozent gestiegen.

WIE FUNKTIONIERT BeReal.?

Anders als etablierte Apps wie Facebook oder Instagram setzt BeReal auf wenige zentrale Funktionen, reduzierte Tools und keine Möglichkeiten zur Bearbeitung. Ein Mal pro Tag gibt es eine Benachrichtigung durch die App. Innerhalb von zwei Minuten haben Nutzer:innen dann die Möglichkeit, ein Foto aufzunehmen und zu teilen. Dieses zeigt somit einen realistischen Moment und keine gestellte Szene. Das Besondere: Die Kamera nimmt gleichzeitig ein Bild mit der Vorder- und Rückkamera auf. Bilder, die nicht innerhalb des zweiminütigen Zeitraumes hochgeladen werden, werden mit einer entsprechenden Kennzeichnung versehen. Und: Wer Bilder sehen will, muss selbst posten. Nur wer ein Bild hochlädt hat nämlich die Möglichkeit, jene von Freund:innen zu sehen. Das führt dazu, dass alle aktiv teilnehmen.

 

WAS MACHT DIE APP SO BELIEBT?

Jeder Trend bedarf einer Gegenbewegung. Während die Möglichkeiten zur Bearbeitung von Bildern und Videos unendlich scheinen, wünschen sich viele Nutzer:innen in sozialen Netzwerken mehr Echtheit zurück. BeReal trägt diesem Wunsch Rechnung. Keine Bearbeitung, keine gestellten Szenen, einfach echte Momenten unter Freund:innen und Bekannten. Denn wer kennt es nicht: Man liegt auf der Couch, der Fernseher läuft nur zu Hintergrundbeschallung, man scrollt durch Social Media und bekommt sekündlich ein neues Hochglanzfoto auf den Bildschirm geworfen. Wäre es nicht eine erholsame Alternative, wenn man zur Abwechslung das Bild der besten Freundin erhält, die ebenso auf der Couch liegt? Wenn man in der Mittagspause im Büro nicht ausschließlich Bilder von Menschen an idyllisch weißen Sandstränden sieht, sondern vom Bekannten, der ebenfalls mit einem Haufen Arbeit auf den Feierabend hinfiebert? Diese Nahbarkeit und Spontanität geben der App die Echtheit, mit der sie bereits jetzt Millionen Nutzer:innen begeistert kann.

WIRD BeReal. BEKANNTE SOCIAL-MEDIA-APPS ABLÖSEN?

Klar ist, die App hat das Potenzial, sich in die Riege der etablierten Apps einzureihen. Fraglich ist, ob die neue Idee ausschließlich bei BeReal auf Anklang stößt. Insbesondere Instagram steht seit Jahren in der Kritik, da die App laufend Funktionen anderer Plattformen kopiert. Über das Story-Format, welches ursprünglich von Snapchat ins Leben gerufen wurde, den Versuch durch IGTV eine Art eigenes Youtube zu entwickeln oder zuletzt die Einführung von Reels, die stark an die Kurzvideos bei TikTok erinnern.

Es bleibt abzuwarten, ob Instagram oder andere Social-Media-Netzwerke mit einer Kopie aufwarten, und ob diese mit dem Original konkurrieren kann.

BeReal. UND MARKETING

Mit dem Aufkommen neuer Apps erschließen sich auch neue Wege für Unternehmen. Unternehmensaccounts bei Facebook, Instagram und Co sind längst Standard im Marketing-Mix. Auch die zielgenaue Ausspielung von Kampagnen bietet zahlreiche Möglichkeiten, die etablierte Werbemittel ablösen. Mit dem sogenannten Influencer-Marketing ist ein gesamter Zweig entstanden, der nur (oder hauptsächlich) auf Werbung über die sozialen Netzwerke fußt.

Klar, dass die Überlegung, wie man BeReal für sein Unternehmen nutzen kann, nicht lange auf sich warten lassen.

Bisher gibt es keine speziellen Tools für kommerzielle Zwecke. Denkbar wäre zukünftig die Einbindung von Werbeanzeigen oder die Möglichkeit, Unternehmensaccounts zu erstellen. 


Ob BeReal das nächste große Ding wird oder nach einigen Monaten wieder in der Versenkung verschwindet, bleibt abzuwarten.

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